Heute, am Donnerstag, dem 03.12.2015 singt der Knabenchor um 18.15 Uhr im Flüchtlingsheim in der Senkingstraße in Hildesheim.

Wir sind Kirchen und Konzertsäle, ein (meist) aufmerksames und wohlwollendes Publikum gewöhnt. Zudem ist zu erwarten, dass die Mehrzahl der Menschen dort muslimischen Glaubens sind. Der Knabenchor in seiner ganzen Struktur und Herkunft erwächst aber aus dem christlichen Abendland. Zudem werden wir "unser" Repertoire singen, das wir zum Adventskonzert nun fast fertig haben. Wir wollen auch anbieten: Mag jemand aus dem Wohnheim mit uns singen, ist er herzlich im Chor willkommen. Informationsblätter in deutscher und englischer Sprache sind vorbereitet.

Was erwarten wir NICHT: Begeisterungsstürme, eine Vielzahl an neuen Mitsängern. Schon gar nicht wollen wir bekehren oder die christliche Sicht der Dinge als Maßstab sehen und über andere Perspektiven auf der Welt stellen.

Weshalb aber gehen wir dorthin? Die Menschen dort leben unter schwierigen Bedingungen – sie verarbeiten den Verlust ihrer Heimat, leben auf engstem Raum und sind noch weit von einem aus unserer Sicht „normalen Leben“ entfernt. Der Kultur wohnt ein zutiefst menschliches und sinnvolles Wesen innen. So wird der Choral, den wir zu Beginn singen zur offenen und handreichenden Botschaft: "Wie soll ich dich empfangen, und wie begegn ich dir?"

Wir erwarten nicht, dass diese Hand angenommen wird, aber es ist wichtig sie ausstrecken. Deshalb singen wir an diesem, in vieler Hinsicht passenden und zugleich unpassenden Ort.

 

 

Das Wort "Stimmbruch" hat schon etwas Unangenehmes: Etwas nicht mehr in der Gewalt haben,  Bruchlandung. Die schönste Assoziation: Quax der Bruchpilot - aber wer kennt das noch?

Jeder, dessen Stimme bricht, der ist betroffen -  manchmal im Guten, oft schockiert. Knaben bricht die Stimme irgendwann von Natur aus weg. Oft haben sie da Jahre im Chor gesungen, gelernt ihre Stimme zu beherrschen, solistisch zu singen. Man hört das Geschulte; der Stimmträger ist stolz darauf. Oft erlebte ich Knaben, die am Anfang keinen Ton fanden und am Ende die Leithammel wurden in ihrer Stimme.

Kurz vor dem Stimmbruch blüht die Stimme so klar auf, dass alle die, die dieses Zeichen kennen, die wunderschönen Vorzeichen der nahen Stimmveränderung erahnen.

Man mag daran auch erkennen, was der Stimmbruch für Jungs bedeutet. Der Horizont aber: eine vom Grunde her schon gebildete Stimme, sobald der Stimmbruch vorbei ist. Oft schon mit sechzehn Jahren singen viel junge Männerstimmen wieder so kultiviert, dass es eine Freude ist.

 

Darf man ein Solo verhauen? Ja!

Darf der Chor mal ein zu schweres Stück im Konzert singen? Ja!

Schön ist das nicht - aber ja, natürlich darf das sein. Ich wünschte, wir wären hier zuweilen etwas amerikanischer. Mit weniger Angst vor dem Misserfolg, sondern dem positiven Blick darauf, dass man auch daran wachsen mag und kann.

LH

 

Ich frage meinen Sohn - er singt im Knabenchor, da ist es sicher nicht immer einfach mit dem Vater - : "Was verbindest du als Erstes mit Knabenchor?"

"Singen!" 

"Und als Zweites?"

"Freunde."

Dieser wortkargen Kommunikation bei Cornflakes lässt sich nichts hinzufügen außer einem stillen, dankbaren Lächeln.

LH


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