„Das erste und grundlegende Organ, mittels dessen wir die Welt zum Antworten bringen und über das wir in eine Antwortbeziehung zu ihr treten, ist jedoch die Stimme. [...] Die von der Stimme gestifteten Resonanzbeziehungen erweisen sich wiederum als doppelseitig zwischen Leib und Seele einerseits und zwischen Subjekt und Welt andererseits aufgespannt, [...] Nirgendwo sonst lässt sich dies so unmittelbar erfahren wie beim gemeinsamen Singen, und vermutlich liegt eben hierin die anhaltende Attraktivität des Chorsingens." Hartmut Rosa: Resonanz. Suhrkamp 2016, S.109-111

Hartmut Rosa verweist in seinem neuen Buch "Resonanz" auf die grundlegende Wichtigkeit, seine Stimme zu gebrauchen. Er führt als Urerlebnis die Verständigung zwischen Mutter und Kind vor und nach der Geburt an, die sich erst einmal stimmlich miteinander in Beziehung setzen - der Säugling, der beruhigt durch die Stimme der Mutter sich in Sicherheit weiß, und die Mutter, die durch die Laute des Kindes (Schreien, Glucksen, Schnurren), um das Kind weiß.

Der Begriff Resonanz ist ein physikalischer und auch ein musikalischer Begriff. Finden wir eine gemeinsame Ebene miteinander, spüren wir, dass wir "auf einer Wellenlänge" liegen. Die Stimme gibt Laute von sich, die alle in der Umgebung, ob sie es nun wollen oder nicht, physikalisch am Leib, besonders am Ohr trifft. Die Ohren können wir nicht verschließen. Und dann hören wir, egal ob wir den Inhalt verstanden haben, wie es dem Sprecher geht.

Wer seine Stimme beherrscht, kann viel Resonanz in sich und zu seiner Umwelt herstellen. Stimm-Bildung ist dann eben viel mehr, als ein Wissen um den richtigen Gebrauch des Muskelapparats in der Kehle. Es ist ein Wissen um sich und um das, was die Umgebung zu hören vermag und ihr im besten Falle wohltut.

So ist ein gelingendes Chorsingen eine Wohltat für alle, die sich - in welcher Rolle auch immer - im Raum befinden.

Auf zur nächsten Stimmbildung!


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